ErgoFAKT PC-Kassensoftware mit TSE

Laut aktueller Gesetzgebung muss ab dem 01.01.2020 jedes in Deutschland eingesetzte Kassensystem an eine sogenannte TSE angebunden sein.

Falls Sie ErgoFAKT als Kasse in Deutschland nutzen, sind Sie von dieser Regelung betroffen!

Falls Sie ErgoFAKT "nur" als Faktura und Warenwirtschaft einsetzen, also keine Barvorgänge über ErgoFAKT abwickeln, sind Sie - was die Nutzung von ErgoFAKT betrifft - NICHT von dieser Regelung betroffen.

Was ist eine TSE

TSE steht für Technische Sicherungseinrichtung.

Das ist ein System, in dem jeder relevante Geschäftsvorfall und andere Vorgänge - insbesondere Barvorgänge - signiert und unveränderbar abgelegt werden müssen.

Gesetzliche Grundlage hierzu ist § 146a AO i. V. m. KassenSichV.

Technisch gesehen kann es sich hierbei um Hardware (z.B. eine am PC angeschlossene SD-Karte) oder einen Webdienst (Cloud-Lösung im Internet) handeln.

Die verwendete TSE muss vom Bundesamt für Sicherheit (BSI) zertifiziert sein. Die Zertifizierungen erfolgen voraussichtlich im Dezember 2019. Wir werden also frühestens Mitte Dezember erfahren, welches System (TSE) die Zertifizierung bestanden hat und von ErgoFAKT "verwendet" werden kann/darf!


Wozu dient eine TSE

Zweck und Aufgabe der TSE ist es, Manipulationen an Kassen- und anderen Aufzeichnungssystemen zu unterbinden bzw. aufzudecken.

Das soll vereinfacht folgendermaßen erreicht werden:

Das Kassensystem, z.B. ErgoFAKT, muss den Kassenvorgang (Positionen, Beträge, Steuersätze, Vorgangsart, etc.) sofort mit der Erfassung an die TSE übermitteln.

Die TSE speichert die Vorgangsdaten unveränderbar auf ihrem integrierten Speichermedium und erstellt zusätzlich eine fortlaufende Transaktionsnummer sowie eine digitale Signatur über die Daten.

Die Transaktionsdaten werden an das Kassensystem zurückgegeben, das diese zusammen mit den Vorgangsdaten in seiner eigenen Datenbank ablegt.

Zusätzlich müssen gewisse Transaktionsdaten (Signatur, Zeitpunkt, Transaktionsnummer, Seriennummer, ...) auf dem Kassenbon angedruckt werden.


Wie kann mittels der TSE Manipulation aufgedeckt werden ?

Im Rahmen einer Steuerprüfung bzw. Kassennachschau, haben die Behörden nun die Möglichkeit bzw. das Recht, die Vorgangsdaten abzurufen. Dieser Abruf kann aus der TSE, der Kassendatenbank oder aus beiden erfolgen.

Die entsprechenden Exportmöglichkeiten über vorgegebene Schnittstellen (DSFinV-K) muss ebenfalls das Kassensystem zur Verfügung stellen.

Zum Aufdecken von Manipulationen bestehen nun z.B. folgende Möglichkeiten:

  • Prüfung, ob die gespeicherten Vorgangsarten aus der TSE mit den Vorgangsdaten aus der Kasse übereinstimmen.
  • Prüfung, ob die gespeicherten Vorgangsarten mit den jeweiligen digitalen Signaturen übereinstimmen.
  • Prüfung der fortlaufenden Transaktionsnummern der TSE auf Lücken und sonstige Unstimmigkeiten.
  • Querprüfung der Daten von ausgegebenen Kassenbons mit den Daten aus TSE bzw. Kassendatenbank.

Was bedeuten die Regelungen für ErgoFAKT ?

Die Nutzung von ErgoFAKT als Kassensystem wird zukünftig nur noch in Verbindung mit einer TSE in Form einer SD-Karte oder eines USB-Sticks je Kassenarbeitsplatz zulässig sein.

Sie werden dazu ein Update auf eine neue ErgoFAKT Version benötigen, an der wir derzeit mit Hochdruck arbeiten.

Die endgültige Version kann allerdings erst nach der Bekanntgabe der durch die Behörde zertifizierten TSEs zur Verfügung gestellt werden.

Das Update wird zwangsläufig Änderungen im Bezug auf die Bedienung und Abwicklung im Kassenbereich mit sich bringen. Dies betrifft insbesondere Funktionen, die mit den Vorgaben zur Datenablage in der TSE nicht mehr verträglich sind.

So wird z.B. das nachträgliche "Umsortieren" oder Ändern von Verkaufspositionen nicht mehr möglich sein. Ferner gelten zukünftig z.B. genaue Vorgaben zur Einordnung von Geschäftsvorfällen nach fest vorgegebenen Vorgangs- und Vorfallsarten sowie MwSt-Schlüsseln. Diese müssen, zusammen mit weiteren Stammdaten zu Kassen und TSE, entsprechend hinterlegt und verwaltet werden.

Alle ggf. für Sie individuell erstellten Plugins, von uns oder Ihnen erstellte Skripte oder Langtextformeln müssen ebenfalls auf "Verträglichkeit" geprüft und ggf. angepasst werden.
Auch hier werden evtl. manche Funktionen nicht mehr möglich bzw. zulässig sein.


Unsere Meinung

Grundsätzlich befürworten wir das Vorhaben der Bundesregierung, da es klare Vorgaben, Maßnahmen und Regelungen zu den ohnehin schon geltenden Vorgaben wie z.B. zur Manipulationssicherheit festlegt.

Das schafft für uns und unsere Kunden mehr Rechtssicherheit.

Ob die Ziele nicht auch mit einer einfacheren und preiswerteren Lösung - wie wir sie z.B. für die RKSV in Österreich implementiert haben - erreichbar gewesen wären, ist es jetzt wohl müßig zu diskutieren.

Leider ist die Umstellung für uns und unsere Kunden mit einem nicht zu unterschätzenden Aufwand verbunden. So bleibt zu hoffen, dass zumindest - was die terminlichen Vorgaben betrifft - bei unserer Bundesregierung noch Vernunft einkehrt und die Termine entsprechend korrigiert werden.

Vor dem Hintergrund, dass z.B. die offizielle Dokumentation der Exportschnittstelle (DSFinV-K) erst seit dem 12.08.2019 zur Verfügung steht und mit den Zertifizierungen der TSE erst irgendwann im Dezember zu rechnen ist, kann der derzeit noch angestrebte Termin zur flächendeckenden Einführung bis zum 01.01.2020 - mit Verlaub - nur als völlig praxis- wenn nicht weltfremd bezeichnet werden.

Nach unseren (unverbindlichen) Informationen aus verschiedenen Quellen (u.a. einer E-Mail-Antwort des BMF direkt an uns) ist aber damit zu rechnen, dass der Termin mit einer sogenannten Nichtbeanstandungsregelung auf einen realistischeren Zeitpunkt "korrigiert" wird.

Wir werden Sie auf dem Laufenden halten ...


Hinweis

Die auf dieser Seite angebotenen Informationen stellen keine Rechtsberatung dar. Bitte konsultieren Sie ggf. Ihren Steuerberater, Ihren Rechtsbeistand, Ihr Finanzamt oder das BMF.